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Dienstag, 22. August 2017

Usbekistan * Der Duft der Seidenstraße *

Samarkand, Buchara, Chiwa, alte Karawanenstädte, gebaut aus Lehm, türkis-grünen Mosaiken und dem Mythos, der die Seidenstraße bewohnt. Eine Reise durch Usbekistan - zu Kulturschätzen und in eine Wüste, die blüht.

Usbekistan * Der Duft der Seidenstraße * - Handpuppen in Chiwa

Es ist immer wie Ringen oder Kickboxen ohne Körperkontakt, dafür tritt man gegen eine Mannschaft zwischen fünf und zehn Personen an. 100.000 Sum für eine Fahrt von knapp 400 Kilometern, heftiger Protest der Reisenden, 30.000 Summ höchstens. No, no, no Misses, von Taschkent in das Ferganatal ist es weit, give me 80.000. No, 30.000. Die Stimmen am Parkplatz für die Sammeltaxis flattern ineinander, Köpfe werden geschüttelt und Hände gerungen, bis am Ende jemand kommt, eine vernünftige Summe nennt und die Rucksäcke im Kofferraum eines gut gebrauchten Chevrolets verstaut. Wer individual durch Usbekistan reist, braucht Stehvermögen und Verhandlungsgeschick – und außer einer angeborenen Portion Neugierde braucht er sonst nichts. Denn haben sich die Parteien einmal auf einen Betrag geeinigt, werden die Verbal-Kickboxer zu freundlichen, hilfsbereiten, besonnenen Menschen, für die Gastfreundschaft eine Selbstverständlichkeit ist. Auf dem Weg von Taschkent über die Berge nach Fergana macht der Fahrer einen Umweg, weil er seinen zwei turisty den Brotmarkt zeigen will. 40.000 Sum haben wir für die fünfstündige Fahrt pro Person bezahlt, was umgerechnet knapp 6 Euro entspricht, sitzen bei Schaschlik, Salat und grünem Tee an einem Marktstand und werden zum wiederholten Male gefragt, aus welchem Land wir nach Usbekistan gekommen sind. Oh, Austria, good – Usbekistan auch.

Usbekistan * Der Duft der Seidenstraße * - SamarkandUsbekistan * Der Duft der Seidenstraße * - Usbekistan

Usbekistan * Der Duft der Seidenstraße * - Wüste in Usbekistan

Ein Wort das duftet und schmeckt: Seidenstraße

Wo heute Marschrutkas, Busse und Gastransporter über löchrige Straßen schaukeln, sich alte Sowjetzüge und der moderne Afrosoiyob Geleise teilen, wo sich die Hügelketten der Steppe genauso endlos dahinziehen wie die Anbaugebiete von Baumwolle, Obst, Getreide und Reis, wanderten einst die Handelskarawanen aus China gegen Westen und wieder zurück. Das ist auch schon Grund und Ursache, warum Usbekistan von Jahr zu Jahr mehr Touristen verbucht. Samarkand, Buchara, Chiwa, allein die Namen klingen wie ein Gedicht aus fernen Welten. Alte Handelsstädte, gebaut aus Lehm, blau-türkisen Mosaiken und dem Mythos, der die Seidenstraße bewohnt. Sie sind so alt wie Rom. Alexander der Große und Dschingis Kahn haben um sie gekämpft. Nicht nur einmal wünschten wir uns in die Zeit des sagenumwobenen Herrschers Timur zurück, der vor 700 Jahren sein gigantisches zentralasiatisches Reich errichtet hat. Gerne hätten wir uns einer der Karawanen angeschlossen. Die Kamele bepackt mit Gewürzen, Seide und Gold. Hätten uns unter die Händler gemischt und beobachtet, wie der prachtvolle Registan langsam Gestalt annimmt. Registan, der größte öffentliche Platz der Welt, auf drei Seiten von gigantischen Medressen, alten Koranschulen, flankiert.

Usbekistan * Der Duft der Seidenstraße * - Samarkand Registan

Hier wurden im Mittelalter Gericht gehalten, Gesetze verkündet und Waren verkauft. Hier haben die Russen 1917 die rote Fahne gehisst und die Frauen ihren Gesichtsschleier verbrannt. Hier stehen die Reisenden mit großen Augen und spüren, wie über ihre Körper ganz langsam eine Gänsehaut zieht. Welch eine Pracht!

Usbekistan * Der Duft der Seidenstraße * - Samarkand Registan

Mister, change money! Dollar, Euro… am Eingang des mit Kuppeln überspannten Basars von Buchara (Buxoro) floriert, wie auf allen anderen großen Märkten auch, der Handel mit Devisen. Wer auf dem Schwarzmarkt tauscht, bekommt doppelt so viel für sein Geld wie auf der Bank. Daneben steht die Polizei und schaut zu wie gegen einen 100 Euro Schein bündelweise Sum aus schwarzen Plastiksäcken in den Tagesrucksack wandern.

Usbekistan * Der Duft der Seidenstraße * - Markt in BucharaUsbekistan * Der Duft der Seidenstraße * - Sum Usbekische Währung

Ein paar Schritte weiter lockt das touristische Einkaufsangebot. Teppiche, Messer, Töpferwaren und die bunten Suzani-Stickereien. Misses, please come visit shop. Mit dem Tourismus ist auch das rudimentäre Englisch ins Land gezogen und nahezu alle Moscheen, Medressen und Karawansereien in Buchara wurden zu Museen mit Shops umfunktioniert.

Usbekistan * Der Duft der Seidenstraße * - Buchara

Usbekistan * Der Duft der Seidenstraße * - Buchara

So schreibt die alte Handelsmetropole ihre Geschichte im 21. Jahrhundert fort. Den Gärtner von Buchara kümmert das wenig. Er hat seine Hände auf dem Rücken gefaltet und betrachtet sein Werk. Die alten Weinreben sind geschnitten und aufgebunden, sie treiben schon kräftig aus. Er schenkt uns frische Minze, deren Duft uns noch Tage begleiten wird.

Usbekistan * Der Duft der Seidenstraße * - Wüste in Usbekistan

Usbekistan * Der Duft der Seidenstraße * - Wüste in UsbekistanUsbekistan * Der Duft der Seidenstraße * - Wüste in Usbekistan

Mit dem Nachtzug schaukeln wir gemütlich nach Urganch. Es liegt Chiwa (Xiva) am nächsten und dort wollen wir hin. Zum Kauf der Fahrkarten braucht jeder seinen Reisepass, auch die Usbeken. Um in das Bahnhofsgebäude zu gelangen, benötigt jeder seinen Reisepass, um in das Abteil zu kommen ebenfalls. Der Luxus ist bescheiden aber es ist sauber und einigermaßen bequem. Frauen im traditionellen Ikat, der wildgemusterten Kombination aus Hose und Kleid, verkaufen Dinge, die man vielleicht braucht. Strumpfhosen, Socken, getrocknete Früchte, Brot. Das Schönste allerdings ist, dass jeder Waggon über einen Samowar verfügt, aus dem, nie enden wollend, heißes Wasser kommt. Der Schaffner borgt uns Tassen und so trinken wir unseren mitgebrachten Instantkaffee während draußen eine blühende Steppenlandschaft vorüber zieht. Kein Baum, kein Haus, keine Industrie. Nur Rosa und Grün soweit der Blick reicht, auch das ist Frühling in Usbekistan.


Usbekistan * Der Duft der Seidenstraße * - Chiwa Usbekistan

Eingeschlossen hinter einer meterhohen und meterdicken Mauer aus Lehm ist die Altstadt von Chiwa ein Ort aus Tausendundeiner Nacht. Avicenna, der Philosoph und Al Biruni, der Mathematiker haben hier gelehrt und sie zum Zentrum der Wissenschaft gemacht. Doch auch Chiwa schreibt eine Geschichte von Aufstieg und Fall. Durch Kriege gebeutelt, steht die Stadt erst im 17. Jahrhundert wieder auf. Chiwa wird reich indem es sich den zweifelhaften Ruf der Metropole für Sklavenhandel erwirbt. Dann kam mit den Karawanen die Pest und Chiwa ist fast 100 Jahre nicht viel mehr als verfallene Lehmbauten und Unterschlupf für Räuberbanden. Im 19. Jahrhundert wird die Stadt zu einer Festung ausgebaut, durch die heute auch erwachsene Menschen wandeln, wie durch ein reich bebildertes Märchenbuch. Eine Moschee, ein Minarett, gemauerte Gräber, ein Innenhof.

Usbekistan * Der Duft der Seidenstraße * - Holztor in ChiwaUsbekistan * Der Duft der Seidenstraße * - Holzsäulen Usbekistan

Schwere Holztore und Säulen mit aufwendigen Schnitzereien verziert. Gekachelte Portale, Bogengänge, da und dort ein rechteckiger Platz. In einem Hof sitzen junge Holzschnitzer und üben die traditionellen Muster, auf dem Markt werden in gemauerten Öfen Somsa (gefüllte Teigtaschen) gebacken und handgemachte Schaufeln verkauft.

Usbekistan * Der Duft der Seidenstraße * - Holzschnitzer in ChiwaUsbekistan * Der Duft der Seidenstraße * - Holzschnitzer in Chiwa

Usbekistan * Der Duft der Seidenstraße * - Somsa Ofen

Schauen und staunen bis wir vor dem Kaltar Minor, dem kurzen Minarett, stehen. Es sollte das höchste Minarett der islamischen Welt werden. Von seiner Spitze aus hätten die Bewohner von Chiwa bis zum 450 Kilometer weit entfernten Buchara sehen sollen. Als der Auftraggeber starb, wurden die Bauarbeiten eingestellt. So blickt der dicke Turm nun gelassen auf das Treiben der Händler, auf die vorbeiziehenden Reisegruppen und Fotografen, lässt sich bewundern und seine Geschichte wieder und wieder erklären.

Usbekistan * Der Duft der Seidenstraße * - Chiwa UsbekistanUsbekistan * Der Duft der Seidenstraße * - Chiwa Usbekistan

Auch das ist Usbekistan: Versalzte Böden aufgrund exzessiver Landwirtschaft. (Zu Sowjetzeiten war das Land unter anderem wichtiger Baumwolllieferant, was mit zur Verlandung eines großen Teils des Aralsees beigetragen hat.) Verrostete Industriekomplexe, Korruption, Sicherheitschecks auf Bahnhöfen und am Eingang zur U-Bahn in Taschkent und die Verpflichtung, sich als Reisender mindestens alle drei Tage zu registrieren (letzteres erledigen die Unterkunftsbetreiber).

Usbekistan * Der Duft der Seidenstraße * - Versalzter Boden Usbekistan

Usbekistan * Der Duft der Seidenstraße * - Markt in Samarkand

Eine Grenze zu Afghanistan, die anderen zu Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan und Turkmenistan. Ein buntes Völkergemisch aus Usbeken, Kasachen, Tadschiken, Russen und Koreaner. Gesichter mit mongolischen Zügen, neben solchen mit slawischen. Frauen mit lose gebundenen Kopftüchern und solche mit Minirock. Männer mit duppi, der traditionellen Kopfbedeckung Mittelasiens.

Usbekistan * Der Duft der Seidenstraße * - Frau in UsbekistanUsbekistan * Der Duft der Seidenstraße * - Mann Usbekistan

Kunstvolles Brot, das in Lehmöfen gebacken wird. Essen, das nach Koriander schmeckt, Türme aus Gewürzen und Trockenfrüchten und Plov, das traditionelle Reisgericht, dessen Zubereitung noch immer Männersache ist.

Usbekistan * Der Duft der Seidenstraße * - Plov UsbekistanUsbekistan * Der Duft der Seidenstraße * - Plov Usbekistan

Usbekistan ist nicht fremd. Es ist fern und es ist weit. Vor allem dort, wo man die fruchtbaren Ebenen rund um den Amudarja und dessen Quellflüsse verlässt. Nurota, als Nur von Alexander dem Großen gegründet ist einer der Orte, an dem sich Usbekische Weite begreifen lässt. Auf der Festungsruine oberhalb der Chashmaquelle beginnt das große Nichts. Rundum erstrecken sich die sanften Hügel der Kysylkum-Wüste bis zum Horizont, als wären sie Wellen in einem Ozean. Im Winter liegt hier Schnee, im Frühling sind sie grün, doch wenn der kühle Wind einschläft und der heiße erwacht, wird die Wüste zur Wüste und deren Sand wirbelt durch die Luft.

Usbekistan * Der Duft der Seidenstraße * - Wüste in Usbekistan

Daher kommen die Pilger im Frühling nach Nurota. Sie beten, knüpfen Stoffstreifen an die Zweige niedriger Büsche, füllen das Wasser, in dem die heiligen Fische, wohnen in Kanister. Seit dem 10. Jahrhundert ist die Cashmaquelle eine Pilgerstätte für Muslime, bewohnt war ihre Umgebung bereits zur Bronzezeit. Auf den Granitblöcken sind immer noch gut erhaltene Petroglyphen, in Stein gearbeitete Felsbilder, zu sehen. Wasser ist Leben in diesem Land.

Usbekistan * Der Duft der Seidenstraße * - Wüste in Usbekistan

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