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Mittwoch, 12. Dezember 2018

Create Memories *Bergwelten*

Berge faszinieren mit einem einfachen Trick: Sie legen einem die Welt zu Füßen. Wer das Rifugio Calvi auf der Südseite der Karnischen Alpen besucht, ist den Gipfeln ganz nah. Create Memories!

Create Memories *Bergwelten*  - Rifugio Calvi

Rund um das Rifugio Calvi hat die Natur eine atemberaubende Kulisse gebaut. Hier genießt man eine Luft, die nach Alpenkräutern duftet und eine charmante Küche mit italienischem Flair. Hier spürt man, dass der Puls vom Gehen noch etwas schneller schlägt und man gleichzeitig zur Ruhe kommt. Hier, auf knapp über 2.000 Metern, kann man nachts die Sterne vom Himmel pflücken und die Stille hören.

Create Memories *Bergwelten*  - Murmeltier

„Desch is mei Leben!" sagt die Anna und stellt eine Schale mit frischen Erdbeeren auf den Tisch. „Desch is mei Leben, do heroben", wiederholt sie während sie sich aufrichtet und über das Tal hinweg zu den Gipfeln der Dolomiten schaut. Ein Blick, dem der Gast unweigerlich folgen muss und was er sieht, ist ein versteinertes Meer, mit bizarren Türmen, Graten und Spalten. Da und dort ein Schneefeld, das in diesem Jahr nicht mehr schmelzen wird. Schuttkare, die in dunkle Wälder fließen. Almböden, an deren Rand ab und an eine Hütte zu erkennen ist. Über all das spannt sich ein tiefblauer Himmel und irgendwo sitzt immer ein Murmeltier.

Create Memories *Bergwelten*  - Rifugio CalviCreate Memories *Bergwelten*  - Rifugio Calvi

Seit 44 Jahren ist Anna Wirtin auf der Calvi Hütte und sie weiß nicht mehr, wie viele Hosen von Bergsteigern sie geflickt hat und wie vielen Wanderern die Berge und die Wege erklärt. Der Monte Chiadenis, der Monte Peralba, der Passo Sesis, er führt in der Folge zum Hochweißsteinhaus nach Österreich und kreuzt den Karnischen Höhenweg. Am dritten Wochenende im September kommen die Wallfahrer auf ihrem Weg von Sappada nach Maria Luggau vorbei und klingeln die Glocke in der kleinen Kapelle unterhalb der Hütte, in der 1988 Papst Johannes Paul II. gebetet hat.

Create Memories *Bergwelten*  - Rifugio CalviCreate Memories *Bergwelten*  - Rifugio Calvi

Die Fotos vom hohen Besuch hängen ober den Flaschen mit den selbstgemachten Schnäpsen an der Wand in der Stube. Und wer den Giulio, den Mann von der Anna, noch gekannt hat, hört ihn erzählen. Hört, wie er sagt, dass er sich schon sehr gewundert hat, dass unten am Parkplatz eines Morgens kein einziges Auto stand und als dann welche kamen, einem davon ein Mann in einer weißen Soutane entstieg. Der Papst marschierte auf den Monte Peralba und auf seinem Rückweg trank er mit den Hüttenwirten einen Schnaps.

Create Memories *Bergwelten*  - Rifugio CalviCreate Memories *Bergwelten*  - Rifugio Calvi

„Wollt’s an koschtn", fragt die Anna und schenkt zwei Gläser ein. Die Kräuter sind von ihren Bergen, die Latschenzapfen auch. Anna weiß, wann sie geerntet werden, kennt die Plätze wo sie wachsen und jene, an denen im Frühjahr der wilde Radicchio durch die Schneedecke bricht. Sie hat ihre Kinder hier oben groß gezogen. Seit Jahren arbeiten sie erfolgreich mit. Renata ist eine begnadete Köchin, rührt die Polenta in der gusseisernen Pfanne über offenem Feuer am Herd, macht rote Gnocchi mit Gorgonzolasauce und ist für ihr Rehgulasch berühmt.

Create Memories *Bergwelten*  - Rifugio Calvi

Nepal? No, Carnica!!! Wer das großflächige Werbeplakat an der italienischen Stradale Regionale Nr. 355 passiert, ist schon mitten drin in der Region Carnica, oder genauer gesagt: Er ist an der Südseite der Karnischen Alpen angelangt, die sich Österreich und Italien als Grenzband teilen. Dort, wo sich das Veneto als schmaler Streifen zwischen Friaul-Julisch Venezien und Südtirol schiebt, liegt der Ort Sappada. Die alten Bauernhäuser könnten genauso gut irgendwo in den Österreichischen Bergen stehen. Und das hat auch seinen Grund. Um das Jahr 1.400, so erzählt man sich, sind 14 Familien aus dem heutigen Osttirol auf der Flucht vor Hunger und Unterdrückung über die Berge gezogen und haben sich hier niedergelassen.

Create Memories *Bergwelten*  - Sappada

Anna und ihre Familie sind direkte Nachfahren davon. Ethnologisch betrachtet stellt sich die Geschichte von Sappada etwas anders dar. Fest steht aber, dass es tatsächlich Menschen aus dem Oberpustertal waren, die sich hier niedergelassen haben und die bis heute nicht nur ihr Brauchtum, sondern auch ihre Sprache pflegen. Die Bewohner von Sappada, oder Pladen, wie es auch heißt, sprechen nach wie vor einen mittelhochdeutschen Dialekt. Die Gemeinde ist eine von mehreren deutschen Sprachinseln in Italien und der Talort, von dem man zum Rifugio Calvi kommt.


Create Memories *Bergwelten*  - Sappada

„Im Winter geh ich manchmal auch her, da schau ich dann vom Parkplatz zur Hütte herauf und versuche zu erkennen, ob wohl alles in Ordnung ist." Anna folgt dann zu Fuß der schmalen Straße, weil die nur im Sommer mit dem Auto passierbar ist. Sie windet sich in Kurven und Kehren durch das enge Tal, das sich die Piave an ihrem Ursprung gebahnt hat. Plötzlich ist es au und eine Hochebene da und man muss den Kopf weit in den Nacken legen, um die Berggipfel zu sehen. Dort, wo sich deren Flanken zu einem natürlichen Amphitheater formen, steht das Rifugio Calvi. Die Hütte hat einen Logenplatz. 45 Minuten dauert der Aufstieg vom Parkplatz zur Hütte, er führt über eine Schotterstraße, vorbei an dem alten Marmorsteinbruch – früher wurde hier die berühmte Pfirsichblüte abgebaut. Wer morgens kommt, steckt für gewöhnlich den Kopf zur Hüttentüre herein, um Guten Tag zu sagen, meist wird es dann doch ein Kaffee.

Create Memories *Bergwelten*  - Karnische Alpen

Ab hier trennen sich dann die Wege für diesen Tag. Die einen gehen über den Klettersteig auf den Monte Peralba, andere nehmen den Normalweg, manche überschreiten den Monte Chiadenis, über dessen Grat ebenfalls eine via ferrata führt. Zwei Kletterer machen sich auf, um die Touren auf den Dente del Pescecane zu gehen. Der Haifischzahn hat guten Fels und ist 20 Minuten von der Hütte entfernt. Am Nachmittag kommen die Weitwanderer vom Karnischen Höhenweg und jene, die um den Monte Peralba herum gegangen sind.

Create Memories *Bergwelten*  - Dente del Pescecane

Alle strecken sie die Beine unter die Tische der Hütte – „I hob an guaten Reh mit Polenta", sagt die Anna, „oder mogscht vielleicht Nudeln mit ana guaten Soß?" Nur einen Sommer war sie nicht da, das war der, in dem ihr Mann gestorben ist - viel zu früh – wie sie sagt. Mit ihm hat sie 1976 die Hütte übernommen, mit ihm ist sie 30 Jahre lang hier herauf gekommen. Immer im Frühsommer, da war der letzte Schnee vor der Hütte noch nicht weg. Gegangen sind sie erst, wenn der erste schon wieder gefallen war. „Do heroben ist es leichter", sagt sie und ergänzt mit dem Satz, dass es im Tal immer so viel zu denken gibt und noch mehr, was vom Denken ablenkt. „Hier in den Bergen ist es anders. Hier in den Bergen ist mein Herz". Und gemeinsam sitzen wir auf der Holzbank vor der Hütte. Im Rücken die Karnischen Alpen, das Gesicht den bizarren Gipfeln der Dolomiten zugewandt.

Create Memories *Bergwelten*  - Rifugio Calvi


Information:
Weitere Informationen über das Rifugio Calvi: http://www.dolomiten-friaul.de/rifugio/rifugio-calvi/

Tourentipps:

Via Sator – Klettersteig auf den Monte Peralba, Schwierigkeit B,C

Ferra Portogruaro, Ferra di Guerra – Klettersteig über den Monte

Chiadenis, Schwierigkeit C

Normalweg auf den Monte Peralba, Weg Nr. 132 und 131

Umrundung des Monte Peralba Massives: Ausgangspunkt: Rifugio Sorgenti del Piave

Über den Monte Peralba Grat, Weg Nr. 131, Ausgangspunt: Rifugio Sorgenti del Piava

Von Österreich aus: Von der Ingridalm im Frohntal (Lesachtal) über das Hochweißsteinhaus und den Passo Sesis

Für Kletterer:

Dente del Pescecane: La Carie 5b,c – eine Stelle 6b und Il Tataro 5b,c

Create Memories *Bergwelten*  - Murmeltier

Danke für deinen lieben Besuch! Wir haben uns sooooo gefreut!!!!
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