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Mittwoch, 12. Dezember 2018

Stricken. Lesen. Schreiben *Christine Lavant*

In nur 5 Jahren schuf Christine Lavant ihr gesamtes Prosawerk. Über 1.000 Druckseiten. Zwischen Stricken und Lesen und Dichten und Hausarbeit. Christine Lavant, zu Lebzeiten veröffentlichte Erzählungen, der Buchtipp der Woche.

Stricken. Lesen. Schreiben *Christine Lavant* - Christine Lavant, Erzählungen Buchtipp
Thomas Bernhard hat sie verehrt, für Sibylle Lewitscharoff ist sie die größte Dichterin des 20. Jahrhunderts und der Literaturkritiker Klaus Nüchtern bezeichnete ihr Werk als Weltliteratur aus dem Lavanttal. Höchste Zeit, die Österreichische Schriftstellerin Christine Lavant (wieder) zu entdecken. Im Wallsteinverlag liegen seit kurzem ihre zu Lebzeiten veröffentlichten Erzählungen in einem Sammelband vor.

Stricken. Lesen. Schreiben *Christine Lavant* - Christine Lavant, Erzählungen BuchtippStricken. Lesen. Schreiben *Christine Lavant* - Christine Lavant, Erzählungen Buchtipp
Über Christine Lavants literarisches Schaffen zu schreiben funktioniert nicht, ohne über Christine Lavants Leben zu schreiben. Beides ist eng miteinander verwoben und noch immer ist es Ansichtssache, ob sie die strickende Dichterin oder die dichtende Strickerin war, obwohl sie bereits 1970 den Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur bekam. 1915 im Kärntner Lavanttal geboren, verwendet sie den Namen ihres Heimatflusses als Pseudonym. Aufgewachsen in Armut, als ständig kränkelndes Kind, halb blind, halb taub, ist ihr Schreiben von ihrer Erlebniswelt bestimmt. Von der Dörflichkeit, der Mittellosigkeit, von Bigotterie und Ausgrenzung und von einer kraftvollen, lebendigen Natur. Rosenbäume, Pappelalleen, Sträucher, die große Glockenblüten tragen, sind versöhnliche Seelen in ihrer Welt. Wenn der Sommerabend das Grün der hohen Parkbäume in den Krankenhausschlafsaal legt, dann ist es „wie etwas Geschontes und von lange her Erspartes". In diesem Krankenausschlafsaal liegt die Protagonistin von Christine Lavants Erzählung „Das Kind", hört dem Weinen der anderen Kinder zu, fleht den stärksten aller Engel um Hilfe an, wird von schrecklichem Heimweh geplagt weil nicht einmal der Regen nach richtigem Regen klingt. Er fällt anders auf das Dach des großen Hauses als auf die Dächer der Ställe und Keuschen im Dorf. Christine Lavant hat diese Erzählung in nur vier Tagen zu Weihnachten 1945 geschrieben. Sie greift darin literarisch auf eine Erfahrung aus ihrer Kindheit zurück.
Stricken. Lesen. Schreiben *Christine Lavant* - Christine Lavant, Erzählungen Buchtipp
Wie schon erwähnt, Christine Lavant berichtet aus ihrer Erlebniswelt. In einer Sprache, die einen Satz mit einem naiven Kindergedanken beginnt und mit einem poetischen Kraftbild enden lässt. In der Märchenhaftes und Fantasiertes auf eine dunkelgraue Wirklichkeit treffen. In der ein Schauer wiedergegeben wird und die gleichzeitig versöhnliche Wärme schenkt.
Stricken. Lesen. Schreiben *Christine Lavant* - Christine Lavant, Erzählungen BuchtippStricken. Lesen. Schreiben *Christine Lavant* - Christine Lavant, Erzählungen Buchtipp

Schreiben war für Christine Lavant „die schmerzhafte Stelle und die heilende Salbe zugleich". Wenn sie Außenseiter, weggeschobene und weggestoßene Menschen zu den Helden ihrer Geschichten macht, dann ist das auch immer ein Stück von ihr selbst. Den Dorfbewohnern war die spindeldürre, kettenrauchende Person suspekt, die ständiger Gast in der Leihbibliothek war, sich ihr Geld mit Stricken verdiente und die später danach befragt sagen wird, dass Rilke ihr Leben verändert hat. Mit dem Lesen von Rilkes Gedichten begann ihr eigenes Schreiben. Entstanden ist ein Werk, das umfassend und unüberschaubar ist. Seit Jahren ist das Robert Musil Institut der Universität Klagenfurt mit der Aufarbeitung ihres Nachlasses beschäftigt. Ein Unterfangen, das für Klaus Amann, Fabian Hafner und Doris Moser nahezu die Dimension einer archäologischen Ausgrabung angenommen hat. Grabungsarbeiten gepaart mit der Suche nach fehlenden Teilen. Viele Manuskripte sind verschollen, auch deshalb, weil Christine Lavant die Angewohnheit hatte, Texte mit ihrer Korrespondenz zu verschicken. Unlängst gab es einen Aufruf in einem deutschen Feuilleton, die Österreicher mögen bitte ihre Dachböden durchforsten. Wer weiß, vielleicht hat sich tatsächlich noch irgendwo ein Manuskript versteckt.

Was bisher geborgen und veröffentlicht wurde, sind literarische Schätze und eine Lektüre, zu der man als Leser immer und immer wieder zurückkehren wird. Auch weil man irgendwann einmal diesen einen Satz von Christine Lavant wirklich verstanden hat: "Ich habe eine Welt und diese Welt brennt."

Christine Lavant zum Nachlesen gibt es im Wallsteinverlag

Christine Lavant, Zu Lebzeiten veröffentlichte Gedichte

Christine Lavant, Das Wechselbälgchen

Dreh die Herzspindel weiter für mich, Christine Lavant zum 100. Geburtstag

Christine Lavant, zu Lebzeiten veröffentlichte Erzählungen

Stricken. Lesen. Schreiben *Christine Lavant* - Christine Lavant, Erzählungen Buchtipp

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